Evaluation der 24 KINDERLEICHT-REGIONEN

Kinder beim spielen

Die wissenschaftliche Evaluation ist ein wesentlicher Bestandteil des Modellvorhabens. Die Evaluation der 24 Modellprojekte übernimmt das Max-Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe. Ein interdisziplinäres Team aus den Fachbereichen Haushalts-, Ernährungs-, Sport- und Gesundheitswissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaft untersucht die Effekte der Maßnahmen in den Projekten.

Ende 2010 wird die Evaluation Antwort auf folgende Fragen geben: 

  • Konnte der Trend zu Übergewicht bei Kindern in den einzelnen Modellprojekten verlangsamt, gestoppt oder umgekehrt werden (Prävalenz)?
  • Hat sich die Lebenswelt / Umwelt der Kinder durch die Projekte im Bereich Ernährung und Bewegung gesundheitsförderlich verändert (Verhältnisprävention)?
  • Hat sich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Kinder durch die Projekte gesundheitsförderlich verändert (Verhaltensprävention)?
  • Was macht Projekte beziehungsweise Maßnahmenbündel erfolgreich oder weniger erfolgreich?

 

Aus den Erkenntnissen der Evaluation werden letztlich Aussagen abgeleitet, wie effektiv die verschiedenen Maßnahmen in den 24 Modellprojekten waren und welche Einflussfaktoren eine dauerhafte Verankerung präventiver Maßnahmen in regionale und kommunale Strukturen begünstigen. Ein Hauptaugenmerk liegt darauf, erfolgreiche Zugangswege zu schwer erreichbaren Zielgruppen zu ermitteln. Abschließend sollen Empfehlungen abgeleitet werden, wie zukünftige Programme zur Prävention von Übergewicht bei Kindern effektiv gestaltet werden können.

Evaluationsmodell

Die individuell angelegten Präventionsmaßnahmen der 24 Modellprojekte haben unterschiedlich differenzierte Zielsetzungen. Im Allgemeinen zielen sie jedoch darauf ab, positive Veränderungen im kindlichen Ernährungs- und Bewegungsverhalten, der körperlichen Fitness und den motorischen Fähigkeiten sowie der vom Kind subjektiv empfundenen Lebensqualität zu erreichen. Die Modellprojekte versuchen, dies über Veränderungen direkt beim Kind und /oder Veränderungen in den Umgebungsbedingungen des Kindes (Elternhaus, Freundeskreis, Schule, Kindergarten, räumlich-infrastrukturelle Umgebung) zu realisieren. Um Wirkungen nachzuweisen, beobachtet die Evaluation daher nicht nur potenzielle Veränderungen in den zuvor genannten Zielgrößen beim Kind selbst, sondern auch Veränderungen in den genannten Umgebungsbedingungen.

Methodische Umsetzung

Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsansatzes wird eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden in drei Evaluationsschritten angewendet.

Zielevaluation
Die von den Projektleitungen formulierten Projekt- und Maßnahmenziele bilden die Grundlage der Evaluation.

Prozessevaluation
Aufbauend auf der Zielevaluation werden die geplante und die tatsächliche Umsetzung der Präventionsmaßnahmen und der erreichten Veränderungen während der drei Jahre dokumentiert, kontinuierlich analysiert und ausgewertet. 

  • Die Baseline-Erhebung untersucht die Ist-Situation im Ernährungs-, Bewegungs- und Gesundheitsverhalten, dem körperlichen Status, den motorischen Fähigkeiten des Kindes und der Umgebungsbedingungen der Kinder zu Beginn des Projektes. Die Erhebung wird zum Ende der Projektlaufzeit wiederholt. 
  • Die Dokumentation der Maßnahmen gibt unter anderem Aufschluss darüber, warum Maßnahmen planmäßig oder abweichend vom ursprünglichen Plan verlaufen und stellt eine wichtige Grundlage dar für die Identifikation von Erfolgsfaktoren und Hemmnissen für eine erfolgreiche Maßnahmengestaltung. 
  • Die vertiefte Maßnahmenevaluation betrachtet die Wirkungen ausgewählter Maßnahmen bei den Zielgruppen. 
  • Die Netzwerkanalyse überprüft die These, ob ein gut funktionierendes Projektnetzwerk die Dauerhaftigkeit der Projekt-und Maßnahmenstrukturen begünstigen kann. 
  • Die Dokumentation des Verfahrens des Modellvorhabens gibt Aufschluss über den Verlauf des Modellvorhabens hinsichtlich der zeitlichen und administrativen Abwicklung.

Effektevaluation
Sie analysiert und bewertet die Daten der Ziel- und Prozessevaluation nach Abschluss der Modellprojekte. Im Vordergrund steht die Frage, ob die erhofften Veränderungen bei den Zielgruppen und der Lebenswelt der Kinder durch die Maßnahmen tatsächlich eingetreten sind.


Wissenschaftsnetzwerk
Zur Qualitätssicherung der Evaluation werden themenbezogene Expertenrunden mit Wissenschaftlern aus entsprechenden Fachdisziplinen veranstaltet. Nationale und internationale Wissenschaftler beraten das Evaluationsteam in speziellen Fragen.

Baseline-Erhebungen

Zu Projektbeginn erfolgt eine Baselineuntersuchung in Kindergärten und Schulen. Diese Untersuchungen werden während der Projektlaufzeit wiederholt. Auf diese Weise werden der Ist-Zustand und potentielle Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie dem körperlichen Status der Kinder erhoben. In jedem Projekt werden rund 600 Kinder untersucht. Dabei handelt es sich um 450 Kinder, die kontinuierlich aktiv an Maßnahmen in den KINDERLEICHT-REGIONEN teilnehmen und um 150 Kinder, die als Vergleichsgruppe fungieren und somit nicht in die Maßnahmen aktiv eingebunden sind.

 

Kind beim Liegestütz

Die Baseline besteht zum einen aus einem "Fitnesstag" und zum anderen aus Befragungen der Kinder, Eltern, Erzieher und Lehrer und den leitenden Vertretern der Einrichtungen. Am Fitnesstag werden Körperdaten (Größe, Gewicht, Taillenumfang, Messung der Körperzusammensetzung) erhoben, auch Anthropometrie genannt.

 

 

 

 

Kind beim Hin- und Her-Springen

Im Rahmen des "Fitnesstages" werden die motorischen Fähigkeiten der Kinder getestet. Dabei durchlaufen die Kinder verschiedene Testaufgaben: Balancieren rückwärts, seitliches Hin- und Herspringen, Standweitsprung. Bei Schulkindern kommen der Liegestütz und ein 6-Minuten Lauf dazu. Diese Motoriktests werden von ca. fünf geschulten Testleitern durchgeführt, wobei eine Sportwissenschaftlerin zusätzlich als Teamchefin fungiert. Die ersten Ergebnisse der Baseline-Erhebungen werden voraussichtlich Ende 2007 vorliegen. Weitere Bausteine der Evaluation sind eine detaillierte Dokumentation des Projektverlaufs, inhaltliche Evaluation ausgewählter Maßnahmen sowie Evaluation der lokalen Präventionsnetzwerke und -konzepte.

Ansprechpartnerin für weitere Informationen:

Frau Corinna Willhöft
Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel
Haid-und-Neu-Straße 9. 76131 Karlsruhe
Telefon: 0721 6625-562, Fax: 0721 6625-552
E-Mail: corinna.willhoeft@mri.bund.de
Internet: www.bfel.de